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Auf Grund des bereits bestehenden phraseologischen Schwer­punktes sowohl am Institut für Roma­nis­tik der Universität Innsbruck als auch am Institut für Fach­kommunikation und Mehrsprachigkeit der Euro­päi­schen Akademie Bozen (EURAC) wurden an beiden Institutionen bereits diverse projektrelevante Vor­arbeiten geleistet, die im Rahmen von LEKO genutzt bzw. weiterentwickelt und miteinander verknüpft werden:

  • (1) Relevante Vorarbeiten am Institut für Romanistik der Universität Innsbruck:
    • (a) Forschungsschwerpunkt „Kollokationen“
    • (b) Wörterbuch „Kollokationen Italienisch-Deutsch“
    • (c) Veranstaltungen im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit und Zusammenarbeit mit Nordtiroler Schulen
  • (2) Relevante Vorarbeiten an der Europäischen Akademie Bozen (EURAC):
    • (a) Lernertexte von Schüler/inne/n
    • (b) Webkorpus PAISÀ
 

(1) Relevante Vorarbeiten am Institut für Romanistik der Universität Innsbruck:

(a) Forschungsschwerpunkt „Kollokationen“

An der Romanistik Innsbruck stehen phraseologische bzw. die typisierte Rede betreffende Fragestellungen schon seit mehreren Jahren im Zentrum des Forschungsinteresses im Bereich der italienischen Linguistik. Seit 2002 werden im Rahmen eines von Prof. Dr. Heidi Siller-Runggaldier initiierten Forschungs­schwer­punktes verschiedenartige Typen von Lexemkombinationen anhand des Italienischen untersucht, wobei besonderes Augen­merk auf den lexikalischen Kollokationen liegt. In regelmäßigen Abständen werden daher immer wieder Lehrveranstaltungen zur Lexikologie im Allgemeinen sowie zu Phraseologie und Kollokationen im Speziellen abgehalten, in deren Folge sich bereits mehrere Studierende des Instituts in ihren Diplomarbeiten für ein Thema im Bereich der italienischen Phraseologie (auch im Vergleich mit anderen Sprachen) entschieden haben (für einen Überblick vgl. die Rubrik (3) des Menüpunktes „Bibliographie„).

Im Rahmen des bestehenden phraseologischen Schwerpunktes wurde auch die Dissertation „Kollokationen“ von Christine Konecny verfasst, die im Jahr 2010 publiziert wurde, daraufhin in der Forschung Bekanntheit erlangt hat (vgl. auch die Auszeichnung des Buches mit dem „Premio Giovanni Nencioni 2012“ der Accademia della Crusca) und mittlerweile wohl als Standardwerk zur Kollokationsforschung betrachtet werden kann. In den darauf folgenden Jahren haben Christine Konecny und Erica Autelli die Forschung zu Kollokationen in mehreren Publikationen und Aktivitäten weiter vorangetrieben. Christine Konecny ist u.a. auch außerdem Mitherausgeberin des Sammelbandes „Phraseologie im Sprachunterricht und in der Sprachendidaktik“ (nähere Informationen), einem der vier Tagungsbände der EUROPRHAS-Konferenz 2012 in Maribor. Durch die Kooperation mit der Europäischen Akademie Bozen (EURAC) im Rahmen des LEKO-Projektes werden die Forschungstätigkeiten in diesem Bereich nun weiter vertieft und ausgebaut (vor allem im Hinblick auf computerlinguistische Aspekte und die Analyse von Korpora) bzw. werden sich dadurch diverse neue Per­spektiven sowohl im Hinblick auf die Forschung als auch im Hinblick auf die universitäre Lehre ergeben.

(b) Wörterbuch „Kollokationen Italienisch-Deutsch“

Im Rahmen des Forschungsprojektes „Von “hinkenden‘ Stühlen, ‚tanzenden‘ Zähnen und ‚verlorenen‘ Verkehrsmitteln“, das ebenfalls von der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol gefördert und am Institut für Romanistik der Universität Innsbruck von Christine Konecny und Erica Autelli durchgeführt wurde, sind eine Vielzahl von italienischen Kollokationen im Vergleich mit ihren deutschen Äquivalenten erfasst und lexikographisch aufbereitet worden. Die Lemmata, zu denen die jeweiligen Kollokationen erfasst wurden, entsprechen den Substantiven des Grundwortschatzes des Dizionario di base della lingua italiana (DIB) von Tullio de Mauro und Gian Giuseppe Moroni (1996). Detaillierte Informationen zu diesem Projekt sind der Website http://www.kollokation.at/ zu entnehmen. Weitere Hintergründe zur Erstellung und zum Aufbau des Wörterbuchs finden sich auch im online verfügbaren Artikel “Creating a bilingual learner’s dictionary of Italian and German collocations” (zum PDF). Das Kollokationswörterbuch, das über 900 Seiten umfassen soll, wird beim renommierten Hamburger Verlag Helmut Buske publiziert (siehe Vorankündigung des Wörterbuchs).

(c) Veranstaltungen im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit und Zusammenarbeit mit Nordtiroler Schulen

Was die in LEKO zu erarbeitenden didaktischen Materialien und Übungen zu italienischen Wortverbindungen betrifft, so wurden im Rahmen Projektes „Von ‚hinkenden‘ Stühlen, ‚tanzenden‘ Zähnen und ‚verlorenen‘ Verkehrsmitteln“ (siehe (b)) ebenfalls schon gewisse Vorarbeiten geleistet bzw. Ideen für mögliche didaktische Konzepte entwickelt und erfolgreich umgesetzt, so etwa bei verschiedenen öffentlichen Veranstaltungen an der Universität Innsbruck (z.B. Junge Uni, Lange Nacht der Forschung): Bei der Jungen Uni 2009 wurde von Christine Konecny erstmals ein Zeichenwettbewerb zu Kollokationen des Italienischen für Kinder und Jugendliche veranstaltet, bei welchem diese die Vorgabe hatten, die Bildlichkeit einer italienischen Kollokation ihrer Wahl zeichnerisch darzustellen. Ähnliche Ver­an­staltungen wurden daraufhin mehrmals wiederholt und waren stets ein großer Erfolg (vgl. Fotos der Veranstaltungen). Der didaktische Ansatz der Verbildlichung sowie weitere Unterrichts­ideen wurden durch die Zusammenarbeit mit mehreren Nordtiroler Schulen verschiedenen Schultyps auch direkt in Schulklassen erprobt (vgl. Fotos von Workshops an der Schule).

Da davon auszugehen ist, dass eine zusätzliche bildliche und dadurch nicht ausschließlich „abstrakte“ Vermittlung von Wort­verbindungen zu einer besseren Verankerung seitens der Lerner/innen im Gedächtnis beiträgt, werden einige der von den Schüler/inne/n angefertigten Illustrationen auch zur Ver­anschaulichung von Beispielen des Wörterbuches „Kollokationen Italienisch-Deutsch“ (siehe (b)) verwendet. Für das LEKO-Projekt soll dieser Ansatz nach Möglichkeit ebenfalls weiterverfolgt und noch weiter ausgebaut bzw. erprobt werden, wobei insbesondere auch zu analysieren wäre, wo mögliche Grenzen desselben liegen.

 

(2) Relevante Vorarbeiten an der Europäischen Akademie Bozen (EURAC):

(a) Lernertexte von Schüler/inne/n

Die an der EURAC vorliegenden bzw. gesammelten Lernertexte von Schüler/inne/n (sowohl zum Italienischen [IT] als auch zum Deutschen [DE] als L2) wurden im Rahmen verschiedener Forschungsprojekte der EURAC erstellt, wie unter anderem (vgl. Projekte):

  • EURAC-Projekt KOLIPSI (Die Südtiroler Schüler/innen und die Zweitsprache: eine linguistische und sozialpsychologische Untersuchung): L2-Texte von Oberschüler/inne/n, und zwar ~ 270 Texte DE als L2 (~ 65.000 Tokens) und ~ 1.000 Texte IT als L2 (~ 200.000 Tokens)
  • EURAC-Projekt KOLIPSI L1 (Untersuchung der L1-Kompetenzen der Südtiroler Oberschüler/innen): L1-Matura­texte, und zwar ~200 Texte DE als L1 und ~130 Texte IT als L1 (~ 400.000 Tokens)
  • EURAC-Projekt KOKO (Bildungssprache im Vergleich): L1-Erörterungen von Oberschüler/inne/n in Südtirol, Nordtirol und Thüringen, und zwar ~500 Texte DE als L1 pro Erhebungsgebiet (~ 800.000 Tokens)

Die Texte wurden digitalisiert, transkribiert und korpuslinguistisch (automatisch: Tokenisierung, Lemmatisierung und Wort­klassen­annotation) aufbereitet und liegen an der EURAC als Lernerkorpora vor. Annotationen von spezifischen Text­eigenschaften und Besonderheiten (z.B. Korrekturen, abweichende Schreibungen) wurden manuell unter Verwendung personalisierter XML-Schemata vorgenommen und werden im Rahmen der LEKO-Projektarbeit um zusätzliche Kategorien und Annotationen (Fehler) erweitert. Hierfür wird das Setup der verwendeten Tools und Schemata entsprechend den Projektbedürfnissen unter computerlinguistischer Betreuung angepasst, und die über­arbeiteten und erweiterten Lerner­text­sammlungen werden daraufhin dem computer­linguistischen Annotationsprozess unterzogen und so für die korpuslinguistischen Abfrage­infra­strukturen aufbereitet, sodass eine gezielte Datensuche und -analyse über eine graphische Benutzeroberfläche möglich ist.

(b) Webkorpus PAISÀ

Das Webkorpus PAISÀ (Piattaforma per l’Apprendimento dell’Italiano su Corpora Annotati; vgl. http://www.corpusitaliano.it/) zeichnet sich durch folgende Charakteristika aus: Es handelt sich um ein großes, ~500 Mio. Tokens umfassendes und reich annotiertes, frei verfügbares Korpus des geschriebenen Italienisch, bestehend ausschließlich aus nicht urheberrechtlich geschützten Webtexten, welche seit 2012 online über ein benutzerfreundliches Interface frei zur Verfügung stehen. Das Korpus ist vollständig automatisch lemmatisiert sowie für Wortklasseninformationen und Dependenzrelationen annotiert. Es ist für die OpenCorpusWorkBench (The IMS Open Corpus Workbench; vgl. http://cwb.sourceforge.net/) indexiert und mit der Abfragesprache CQP durchsuchbar (komplexe Suchmuster über mehreren Annotationsebenen, reguläre Ausdrücke, deskriptive Statistiken). Für die projektrelevanten Analysen werden spezifische Such­muster ausgearbeitet und Ergebnis­mengen miteinander verglichen bzw. hinsichtlich der Ausgangstexte gefiltert.